WALKING BUS

pfeil.JPG Die MOBILE ZUKUNFT schon in der Gegenwart: abgasfrei, sicher und fröhlich. Aber auch laut… Am Dienstagmorgen durfte ich die Linie 1 des Voxtruper „Walking Bus“ von der Volksbank bis zur Grundschule begleiten.

Morgens, kurz nach 7 in Voxtrup, Ecke Meller Landstraße/Holsten-Mündruper Straße. Während viele Kinder an der Hauptstraße auf den motorisierten Bus Richtung weiterführende Schulen warten, stehe ich am Eingang in’s Wohngebiet an einem Laternenpfahl, der mit einem von Schulkindern selbst gemalten Bild versehen ist. Dieser weist auf die Haltestelle des „Walking Bus“ hin, dessen Linie 1 hier an der Volksbankfiliale startet. Links von mir toben zwei Geschwisterkinder unter den Augen ihrer Mutter und Großmutter auf dem angrenzenden Parkplatz herum. Ein Junge kommt dazu, gefolgt von seiner Mutter auf dem Fahrrad. Diese drei Kinder und ein weiterer Junge sind an diesem Dienstagmorgen die ersten „Buspassagiere“. „Gefahren“ wird der Bus heute von Frau Bethoun und Frau Netteln-Stroth. Sie sind als ehrenamtliche „Busfahrerinnen“ ein paar Mal monatlich im Einsatz, um die Grundschüler zur Schule zu begleiten.

Pünktlich um viertel nach 7 geht es los Richtung Eichenallee, der nächsten Haltestelle, wo schon das nächste Kind wartet. Der Linienweg führt mitten durch die Wohngebiete im südlichen Voxtrup. Auf dem Weg nutzen die Kinder die Zeit, schon auf dem Schulweg Neuigkeiten auszutauschen oder auch für ein paar Käbbeleien. Ist der „Walking Bus“ ansonsten eine ökologisch und sicherheitsmäßig bezogen super Sache, so kann man das beim Thema Lärm nicht sagen. Denn leise, das ist er nicht unbedingt. Aber das ist auch völlig in Ordnung. Dafür sind die Schülerinnen und Schüler im Unterricht ruhiger, weil sie schon etwas Dampf ablassen konnten, wie das Lehrpersonal festgestellt hat.

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Die Linie 1 kurz vor Ankunft an der Schule.

Als an einer Stelle eine Baustelle den Großteil des Weges einnimmt, wird einfach auf der Straße weitergegangen. Es ist hier ohnehin kaum Verkehr. Wenn die Gruppe an eine etwas stärker befahrene Kreuzung kommt, wie im Kräuterviertel (die Straßen mit Salbei, Thymian und ähnlichem im Namen), wird der Autoverkehr aber auch schon mal für die Kinder angehalten. Dafür haben alle Begleitpersonen Kellen erhalten, die sie zusätzlich zu ihren leuchtenden Verkehrshelferwesten tragen. Auch die Schülerinnen und Schüler tragen üblicherweise solche Warnwesten. Sie sind ein weithin sichtbares Markenzeichen des „Walking Bus“ und auch Teil des eigens für Voxtrup entwickelten Logos, welches ich später an der Haltestellenstele auf dem Schulhof von der Schulleiterin Frau Plieth-Hörnschemeyer gezeigt bekomme. Die Rektorin möchte, dass die schon etwas in die Jahre gekommenen Bilder an den anderen Haltestellen im Stadtteil durch dieses Logo ausgetauscht werden. „Die Kinder können sich damit gar nicht mehr identifizieren“, berichtet sie, sie werden als „gruselig“ empfunden. Der Austausch soll demnächst umgesetzt werden.

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Die Haltestellenstele des „Walking Bus“ auf dem Schulhof.

Szenenwechsel: Nach der Ankunft an der Schule bin ich mit fünf der ehrenamtlichen Busbegleiter noch im extra von der Schule eingerichteten „Busfahrer-Café“ zum geselligen Plaudern bei Kaffee und Tee. Es sind heute Morgen drei von momentan fünf Linien anwesend. Am Tisch sitzen an diesem Tag überwiegend Rentnerinnen und Rentner. Frau Netteln-Stroth erzählt aber auch von einer Studierenden, mit der sie früher regelmäßig die Grundschüler begleitet hat. Die Studentin war ein Jahr dabei, in dem sie zwischenzeitlich aus Voxtrup wegzog. Aber solange das Schuljahr noch nicht zu Ende war, kam sie trotzdem verlässlich mit und fuhr dann wie sonst weiter zur Uni. Nun ist Frau Bethoun seit einem Jahr die Partnerin von Frau Netteln-Stroth und damit noch sehr frisch dabei. Beide haben sich bei der Flüchtlingshilfe kennengelernt, wo sie von ihr angeworben wurde. Bei weitem die meisten Helferinnen und Helfer kommen aber auf zwei Wegen zum „Walking Bus“: Entweder sind sie Eltern oder Großeltern von Kindern, die auf die Voxtruper Grundschule gehen, oder sie sind beim Arzt Dr. Kellersmann, der seine Patienten und Patientinnen immer wieder auf den Bus hinweist. So sorgt auch er für kontinuierlichen „Nachwuchs“ im Team – einem Team, bei dem einige Mitglieder sogar seit Beginn und damit seit 12 Jahren dabei sind.

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Das „Busfahrer-Café“ in der Aula.

Wie die Schulleiterin mir später erklärt, gibt es für die aktuell fünf Linien insgesamt 50 ehrenamtliche „Busfahrer“ und „Busfahrerinnen“. Dafür hat die Schule 2017 sogar den Bünting-Preis für Engagement bekommen, der mit 5.000 € dotiert war. Von den 215 Kindern, die auf die Schule in Voxtrup gehen, sind 120 beim Bus dabei. In Zukunft wird es im „Fahrplan“ wahrscheinlich ein paar Änderungen geben. So wird eine Linie wegfallen, da in dem Einzugsgebiet bald alle Kinder aus dem Grundschulalter herausgewachsen sein werden. Dafür werden wahrscheinlich durch neue Wohngebiete auch zwei neue Linien dazukommen. Darin zeigt sich einerseits die Flexibilität und andererseits der unvermindert vorhandene Zuspruch und der Wille, den „Walking Bus“ fortzuführen. Darüber freuen wir von MOBILE ZUKUNFT uns sehr, denn letztlich ist er auch eine tolle, weil sichere Alternative zu den Elterntaxis, die zudem mit Spaß verbunden ist.

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Es gibt sogar extra für die „Busfahrerinnen“ und „Busfahrer“ reservierte Kekse.

 

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